Ortsteil Oehrenstock

Blick Oehrenstock Winter

Das Dorf Oehrenstock beging im August 2011 das Jubiläumswochenende seiner 700-jährigen Ersterwähnung im Jahre 1311. Die ersten Einwohner rodeten für einen Grundherren aus der Arnstädter Gegend den Wald und arbeiteten später auf dem Edelhof derer von Wüllersleben. Das Leben in dem entstehenden Dorf war sehr beschwerlich. Nach Literaturangaben wohnten die Bewohner in Holzhütten, die in den Erdboden eingelassen waren. Als Koch- und Heizstelle diente ein offenes Feuer. Die Landwirtschaft brachte wegen des Bodens und der Höhenlage nur geringe Erträge. Die schwere Arbeit im Wald sicherte das Bau- und Brennmaterial. Unfreie hatten zu einem Großteil ihrer Arbeitszeit Frondienste für die Herrschaft zu leisten. So ist es insgesamt nicht verwunderlich, dass sich die Zahl der hier lebenden Familien über die Jahrhunderte äußerst langsam entwickelte. Bis zum Ende des 15. Jh. wurde die Zahl 10 nicht überschritten. Die Zahl der Totgeburten und die Säuglingssterblichkeit waren sehr hoch. Die Zahl der Familien stieg bis zum Ende des 17. Jh. auf ca. 20 an.

Mit dem Auffinden der ersten Schaustufen von Manganerz (im Volksmund Braunstein genannt) ergab sich die Möglichkeit eines Zuverdienstes. Der sich entwickelnde Manganerzbergbau führte ab der Mitte des 17. Jh. zu einem leichten Aufschwung im Dorf. Bis zu 100 kleinere Grubenfelder, die teilweise nur 4-5 Meter Länge aufzuweisen hatten, prägten den Bergbau rund um Oehrenstock. So manche private Äcker oder Wiesen, die eigentlich für das Überleben der Familien sehr wichtig waren, fielen dem kargen Bergbau zum Opfer. Die Hoffnung auf zusätzliche, wenn auch geringfügige, Geldeinnahmen war groß und führte auch zu Kinderarbeit.

Die Manganerzgewinnung im Grubenfeld „Luthersteufe“ hielt bis ins Jahr 1929 an. Die „Luthersteufe“ war die größte Grubenanlage in der Oehrenstöcker Flur. Das alte Zechenhaus steht heute noch an der Straße nach Ilmenau im Tal der Schorte. Entlang des Straßenverlaufs sieht man heute noch vereinzelte mit Buschwerk bewachsene Abraumhalden, die letzten Zeitzeugen einer längst vergangenen Zeit. Diese Entwicklung brachte einen deutlichen Zuwachs an Einwohnern, sodass in der ersten Hälfte des 18. Jh. die Zahl der Familien auf 30 anstieg und bis zum Ende des Jh. sogar auf 50.

Kirche Oehrenstock

Oehrenstock war zu dieser Zeit kirchlich, schulisch und auch beim Bierkauf an die „Commune“ Langewiesen gebunden. Nach verschiedenen Antragstellungen beim Landesfürsten und der genehmigten Einrichtung einer ersten eigenen Lehrerstelle 1728 in Oehrenstock ging es mit der Loslösung von Langewiesen zügig voran. 1734/1735 wurde der Bau des örtlichen Brauhauses genehmigt. Hier wurde bis zum Jahre 1904 das dorfeigene Oehre-Bräu gebraut, was für die Dorfeinwohner eine große Erleichterung bedeutete. Im Jahr 1736 genehmigte der Landesfürst der Gemeinde die Planung und den Bau eines eigenen Gotteshauses. Nach zweijähriger Bauzeit wurde die Kirche am 11. Oktober 1739 in Gegenwart des Landesfürsten eingeweiht. Einen Monat später konnte hier das erste Oehrenstöcker Hochzeitspaar getraut werden.

Ende des 19. Jh., rechtzeitig zum Niedergang des Manganerzbergbaus, fand man die ersten Schaustufen von Flussspat. Durch die stark aufkommende Industrialisierung wurde Flussspat dringend gebraucht, z.B. als Flussmittel in der Stahlindustrie. 1942 begann im Tal der Schorte das Abteufen eines Schachtes, der bis zum Kriegsende eine Tiefe von 28 m erreichte. 1950 erreichte der Schorteschacht seine endgültige Tiefe von 45 m. Der Schwerpunkt des Flussspatabbaus und der –aufbereitung lag nach dem Bau der Zentralförderanlage von 1967 bis 1991 mit über 340 Beschäftigten im Tal der Schobse bei Gehren. Nach 1991 erfolgten bei uns der Zusammenbruch der Flussspatförderung und der Rückbau der Grubenanlagen.

Seit 1994 ist das Dorf Oehrenstock ein Ortsteil der Stadt Langewiesen. Seinen dörflichen Charakter hat der Ort seit der Kollektivierung der Landwirtschaft in der DDR mit fortschreitender Zeit immer mehr verloren. Heute findet keine Beschäftigung der Einwohner mehr mit Landwirtschaft, Viehzucht und Waldbau statt. Auch die bis ins 20. Jh. häufig anzutreffende Heimarbeit ist verloren gegangen. Das Dorf Oehrenstock hat sich zu einem kleinen, ruhigen Wohnort entwickelt. Die Einwohner gehen in den benachbarten Orten ihrer Arbeit nach. Die existierenden Vereine sorgen für das Bewahren der kulturellen und sportlichen Traditionen und veranstalten im Verlauf eines Jahres unterschiedliche gesellschaftliche Höhepunkte. Der Heimatverein betreibt im alten Pfarrhaus neben der Kirche ein kleines sehenswertes Heimatmuseum.

Im Besucherbergwerk „Volle Rose“ im Schortetal kann der interessierte Besucher ganz anschaulich viel über den Flussspat und seine Gewinnung erfahren.

 

Weitere Informationen erhalten Sie auf: www.oehrenstock.de